Viele Erstgebärende haben Angst, den Zeitpunkt zu verpassen und nicht zu merken, wann die Geburt losgeht. Glaubt mir, das geht nicht. Klar können sich die Wehen bei jedem anders und unterschiedlich intensiv anfühlen, aber ihr wisst einfach, wann es soweit ist. Lasst euch von eurem Gefühl leiten und vertraut auf eure Intuition.

Lasst euch auch vorher nicht zu sehr verrückt machen. Viele wollen euch irgendwelche Horrorgeschichten von anderen Geburtserlebnissen erzählen, die sie erzählt bekommen haben. Da würde ich dann einfach sagen, dass sie das für sich behalten können. Macht euch so wenig wie möglich Gedanken um die Geburt und lasst es auf euch zukommen.

In Kurzfassung möchte ich mein persönliches Geburtserlebnis mit euch teilen:

Die letzten Tage vor der Geburt waren nicht so schön. Ich konnte es nicht mehr abwarten und hatte den langweiligen Tagesablauf mittlerweile satt. Ich habe immer etwas Sport gemacht, dann habe ich mich hingelegen, habe gelesen und bin spazieren gegangen. Die ganze Zeit habe ich gemerkt, wie jeder darauf wartet, dass es losgeht und ich selbst habe mir auch die ganze Zeit einen Kopf darüber gemacht. Dann am 10. Oktober habe ich mittags noch Kürbissuppe gekocht und abends lag ich auf der Couch und hatte die ganze Zeit das Gefühl, ich bekomme meine Tage. Um 22.30 Uhr bekam ich dann Wehen…allerdings waren sie nicht so stark, dass ich sie hätte weg atmen müssen, aber ich konnte nicht schlafen. Zudem kamen sie nicht regelmäßig. Mal alle 5/6 Minuten, dann alle 4 Minuten, dann wieder im Abstand von 9 Minuten…Als ich im Krankenhaus anrief, meinten sie auch, das hätte noch Zeit. Um 4 Uhr nachts bin ich dann eingeschlafen und um 6 Uhr wieder aufgewacht ohne Wehen. Da ich mich aber so unwohl gefühlt habe, haben mein Mann und ich mich entschieden, um 8.30 Uhr ins Krankenhaus zu fahren und es abchecken zu lassen. Ich kam dann in ein Untersuchungszimmer und es wurde ein CTG durchgeführt. Die Hebamme war sehr nett. Sie meinte allerdings, dass das eher ein Fall für den Frauenarzt gewesen wäre und kein Notfall. Das CTG lief dann und ich hatte eine Wehe und bei dieser ist der Puls von meinem Baby ziemlich nach unten gegangen. Das war leider nicht so gut. Wenn so etwas ist, sind sie besorgt, dass das Kind nicht mehr gut versorgt wird. Dann hat mich ein Arzt noch untersucht und einen Ultraschall durchgeführt. Er stellte fest, dass ich zu wenig Fruchtwasser hätte und seit meiner Anmeldung im Krankenhaus der Kleine nicht gewachsen sei. Er schätze das Gewicht auf ca. 2.600 Gramm. Ich war komplett geschockt. Er empfahl uns, die Geburt einzuleiten, weil die Gefahr bestünde, dass das Baby nicht mehr richtig versorgt ist. Ich hätte zwei Möglichkeiten: Einen Ballonkatheter einsetzen lassen, der rechts und links vom Muttermund innen mit Salzwasser aufgeblasen wird und dadurch meine eigenen Hormone für den Beginn der Wehen auslösen kann oder einen Rizinus-Cocktail. Zum Glück zählt in der Klinik auch die Meinung der Hebammen etwas und unsere meinte dann, den Cocktail sollte ich auf keinen Fall nehmen, weil der würde den Kleinen richtig stressen. Da mein Frauenarzt in der Woche gar nicht in der Praxis war, konnte ich keine 2. Meinung einholen. Er hatte das Gewicht auf 2.950 Gramm geschätzt. Also entschieden wir uns dafür, den Ballonkatheter einsetzen zu lassen. Das war um 11.30 Uhr. Dann habe ich Mittagessen bekommen und ein Zimmer auf dem ich bleiben musste, bis die Geburt losgeht. Sie sagten, der Katheter kann maximal 12 Stunden drinbleiben und danach müsste ich dann Hormone nehmen, um die Geburt einzuleiten und das wollte ich auf keinen Fall. Mein Mann und ich haben dann Mittag gegessen, ein bisschen die Serie „Lucifer“ auf dem Tablet geschaut und sind noch in den Supermarkt gelaufen und haben Limo, Lebkuchen und Eis gekauft. Dann ist mein Mann nach Hause gefahren und hat unseren Koffer geholt. Ich habe noch geduscht und mir bequemere Sachen angezogen. Um 14.30 Uhr bekam ich nochmal ein CTG und da war alles in Ordnung. Um ca. 16 Uhr bekam ich dann wieder stärkere Wehen. Sie haben sich ziemlich schnell gesteigert. Um 17 Uhr habe ich noch versucht, Abend zu essen, aber das war fast nicht mehr möglich. Um 18.30 Uhr hätte ich zum nächsten CTG Termin gehen sollen, aber 10 Minuten davor hat mein Mann nach einer Hebamme geklingelt, weil die Wehen schon so stark waren. Die Hebamme und ich sind dann zum Untersuchungszimmer gelaufen und ich musste zwischendurch immer wieder anhalten, weil die Wehe so stark war. Dann lag ich dort ca. 1,5 h mit richtig starken Wehen, die gefühlt im Sekundentakt kamen und ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten. Einmal musste ich mich fast übergeben. Irgendwann meinte ich zu meinem Mann, dass ich jetzt eine PDA brauche oder was auch immer. Ich konnte nicht mehr. Er klingelte nach der Hebamme, aber die wollte nach Hause (Schichtwechsel) und hat nicht nachgeschaut, wie weit der Muttermund ist. Dann kam endlich der Schichtwechsel und kurz vorher ist meine Fruchtblase geplatzt. Sie haben dann festgestellt, dass mein Muttermund bereits 9 cm geöffnet war und der Katheter sich hinten verfangen hatte, was mir noch mehr Schmerzen bereitete. Damit haben sie nicht gerechnet, dass das so schnell geht, da es ja mein erstes Kind ist. In der Zeit hat mein Mann immer versucht, mir zu sagen, dass ich tief ausatmen soll, aber irgendwann habe ich nur noch geschrien. Es ging nicht mehr. Dann haben sie mich in den Kreißsaal gebracht und die Ärztin, Hebamme und Hebammenschülerin haben mir in den letzten 20 bis 30 Minuten endlich geholfen, meinen Sohn auf die Welt zu bringen. Ich konnte es nicht fassen, als sie ihn mir in den Arm gelegt haben. Ich habe ihn nur von oben gesehen. Sie haben uns gefragt, wie er heißt, aber ich konnte es einfach nicht gleich sagen, weil ich ihn nicht mal richtig anschauen konnte. Mein Mann hat dann die Nabelschnur durchschneiden dürfen und sie haben den Kleinen gewogen, den Apgar Test durchgeführt (Werte 9/10/10) und ihm eine Decke umgelegt. Ich wurde auf ein anderes Bett getragen und er wurde zu mir gelegt. Dann hatten wir eine Stunde allein für uns im Kreißsaal. Das war ein unglaubliches Gefühl. Ich habe immer wieder geweint und dann haben wir uns entschieden, wie er heißen soll. Danach haben wir versucht, dass er das erste Mal an meiner Brust trinkt und es hat auch ganz gut geklappt. Später kamen wir in unser Familienzimmer. Das war goldwert und wir hatten so ein Glück, dass das Zimmer frei war. Ich wüsste nicht, wie ich das alles ohne meinen Mann geschafft hätte. Unser Baby hat die ganze Nacht geschlafen, aber ich habe kein Auge zugemacht, weil ich so aufgewühlt war und die ganze Zeit Angst hatte, dass er aufhört zu atmen. Dann am nächsten Tag bestand der Tag daraus, zu wickeln und zu wiegen (mein Mann und ich haben beide total geschwitzt :D), stillen zu lernen (danke an alle Offenburger Hebammen für die vielen hilfreichen Tipps), zu essen und zu duschen und auch ein bisschen zu schlafen. 3 Tage habe ich aber quasi gar nicht geschlafen. In der 2. Nacht begann ein Stillmarathon von 22 Uhr bis 2 Uhr durchgängig und sonst auch die ganze Nacht ohne viele Pausen und den ganzen Tag bis abends um 21 Uhr. Nach 3 Tagen sind wir als Familie zu Hause angekommen. Es dreht sich alles nur noch um dieses kleine Wesen und man ist glücklich, wenn man es schafft zu duschen, zu essen und alle anderen alltäglichen Dinge zu erledigen. Aber jedes Mal, wenn man ihn anschaut, ist man verliebt und ich könnte den ganzen Tag an ihm riechen und ihn küssen.

Freut euch auf euer eigenes Geburtserlebnis und vor allem auf euer kleines, großes Wunder, das ihr bald in den Händen halten dürft.


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